Sehr geehrte Eltern,

seit Beginn des Schuljahres 2016/17 gibt es für den schulischen Nachteilsausgleich bei einer Lese-und Rechtschreibstörung neue Richtlinien. Grundlagen sind:

a) das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG), Art. 52 Abs. 5

b) die Bayerische Schulordnung (BaySchO), Teil 4 Individuelle Unterstützung, Nachteilsausgleich und Notenschutz; § 31 - § 37

Mit diesem Schreiben möchten wir Ihnen einen kleinen Überblick über die Neuerungen geben.



1. Bezeichnung

Bis zum Schuljahr 2015/16 wurde an den Schulen ein Nachteilsausgleich und/oder Notenschutz für Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung) oder Lese-Rechtschreib-Schwäche bei vorliegendem Nachweis und einer Stellungnahme des Schulpsychologen gewährt.

Neu ist, dass nur noch mit dem Begriff Lese-Rechtschreib-Störung (isoliert oder in Kombination) gearbeitet wird.

a) Die Legasthenie ist mit der Lese-Rechtschreib-Störung identisch.

b) Attestierte Lese-Rechtschreib-Schwächen (LRS) wurde im Schuljahr 2016/17 übergangsweise als Lese-Rechtschreib-Störungen weitergeführt, nochmals überprüft und neu bewertet.

c) Für die isolierten Formen – Lesestörung, Rechtschreibstörung, Leseschwäche, Rechtschreibschwäche – gelten dieselben Regelungen.



2. Verfahren

Der Nachteilsausgleich und/oder Notenschutz muss von den Eltern bei der jeweiligen Schulleitung beantragt werden (BaySchO, § 36). Die Schulleitung entscheidet über Art und Umfang. Nach jedem Schulwechsel prüft die Schulleitung, welche Maßnahmen zu gewähren sind. Für den Nachweis einer Lese-Rechtschreib-Störung ist stets eine schulpsychologische Stellungnahme erforderlich und ausreichend.



3. Diagnostik und schulpsychologische Stellungnahme

a) Eltern haben die Möglichkeit – wie bisher – ihr Kind vom Kinder- und Jugendpsychiater untersuchen zu lassen. Diese Möglichkeit sollte v.a. dann wahrgenommen werden, wenn neben den Lese-Rechtschreib-Problemen weitere Auffälligkeiten bestehen oder eine Therapie ansteht, für die eine Kostenübernahme bei der Jugendhilfe beantragt wird.

Die Eltern können sich mit dem vorhandenen Arztbrief/Gutachten an den Schulpsychologen zur Beratung wenden oder direkt an die Schulleitung zur Antragstellung. Die Schulleitung wird in diesem Fall den Arztbrief/ das Gutachten an den Schulpsychologen schicken und eine Stellungnahme anfordern. Die Stellungnahme geht direkt an die Schule. Die ärztlichen Unterlagen verbleiben zur Aufbewahrung beim Schulpsychologen.

b) Neu ist die Möglichkeit, dass Eltern sich ausschließlich an den Schulpsychologen wenden können, auch ohne vorher den Kinder- und Jugendpsychiater konsultiert zu haben. Der Schulpsychologe führt für den schulischen Bedarf die Diagnostik durch, berät die Eltern im Hinblick auf sinnvolle Maßnahmen und stellt bei Bedarf eine schulpsychologische Stellungnahme für die Schule aus. Die Eltern stellen, wie bereits geschildert, einen Antrag bei der Schulleitung. Die Stellungnahme des Schulpsychologen geht auch hier – mit Einverständnis der Eltern - direkt an die Schulleitung.



4. Mögliche Maßnahmen bei einer Lese-Rechtschreib-Störung

Die Bayerische Schulordnung führt ausführlich (§ 32 bis § 34) Maßnahmen auf. Zu unterscheiden sind:

a) Maßnahmen der individuellen Unterstützung (BaySchO § 32)
Diese Maßnahmen kann die unterrichtende Lehrkraft gewähren. Sie werden nicht im Zeugnis vermerkt.

b) Maßnahmen zum Nachteilsausgleich (BaySchO § 33)
D
ie Prüfungsanforderungen bleiben insgesamt gewahrt. Der Nachteilsausgleich hilft den Schülern, die Aufgaben auf demselben Niveau trotz ihrer Beeinträchtigung zu erfüllen.
Beispiele für den Nachteilsausgleich: Zeitverlängerung, Strukturierungshilfen bei längeren Texten, Vorlesen von Arbeitsaufträgen, usw.
Der Nachteilsausgleich wird nicht im Zeugnis vermerkt.

c) Notenschutz (BaySchO § 34)
Mit dem Notenschutz wird auf einen Teil der Leistungsbewertung verzichtet. Daher ist der Notenschutz mit einem Zeugnisvermerk verbunden, der angibt, welche Leistung nicht erhoben wurde, z.B. „Auf die Bewertung des Rechtschreibens wurde verzichtet.“


Folgende Notenschutzmaßnahmen sind bei einer Lese-Rechtschreib-Störung möglich:

a) Rechtschreibstörung:
1. Auf die Bewertung der Rechtschreibleistung kann verzichtet werden.
2. In den Fremdsprachen, mit Ausnahme der Abschlussprüfung, können mündliche Leistungen stärker gewichtet werden.

b) Lesestörung:
In den Fächern Deutsch, Deutsch als Zweitsprache und in den Fremdsprachen wird auf die Bewertung des Vorlesens verzichtet.

c) Kombinierte Lese-Rechtschreib-Störung:
Der Notenschutz setzt sich aus beiden Maßnahmen zusammen.
Notenschutz hat immer einen Zeugnisvermerk zur Folge. Das gilt auch für Fächer, in denen ein Notenschutz bestanden hat und die bereits abgelegt worden sind, aber im Abschlusszeugnis noch aufgeführt werden.
Nachteilsausgleich und Notenschutz werden ausschließlich auf schriftlichen Antrag der Eltern von der Schulleitung gewährt! (BaySchO § 36, (2))



5. Was müssen Sie im Fall einer Neubeantragung tun?


Den Antrag bei der Schulleitung und den Verzicht auf Nachteilsausgleich und/oder Notenschutz können Sie auch formlos stellen, falls Ihre Schule über keinen Vordruck verfügt.

Bitte wenden Sie sich bei weiteren Fragen an den Schulpsychologen Ihrer Schule.


Ihr Team der Schulberatung im Landkreis Berchtesgadener Land